Die Samen
des Flohkrauts und des Sandwegerichs (P. arenaria) waren
schon in der Antike bekannt. Dioskurides empfiehlt in
seiner Materia medica allerdings nur die äußerliche
Anwendung wegen der kühlenden Wirkung bei
Hauterkrankungen in Form von breiigen Umschlägen. Erst
gegen Ende des 13. Jh. erkannte man seinen Nutzen zur
Behandlung von Verstopfung und Durchfällen.
Heute werden überwiegend die Samen oder Samenschalen des
Indischen Wegerichs (P. ovata) medizinisch verwendet, da
diese eine noch höhere Quellkraft besitzen und im
Gegensatz zu Flohsamen keine schwarze Pigmente
enthalten.Woher
kommt der Name?
Plantago leitet sich vom lateinischen Wort „planta“ =
Fußsohle ab und bezieht sich auf die Blattform des
Breitwegerichs (Plantago major), einem Verwandten des
Flohkrauts. „Psyllium“ kommt aus dem Griechischen und
bedeutet Floh. Wie die deutsche Bezeichnung „Flohkraut“
ist ein Zusammenhang aus der Beobachtung hergestellt
worden, dass die kleinen Samen beim Verschütten
umherspringen wie Flöhe.
Wo kann der Flohsamen
helfen?
Flohsamen und auch der Indische Flohsamen enthalten
stark quellende Substanzen, die als unlösliche
Ballaststoffe mit Wasser eine gelatineähnliche Masse
bilden und durch die Volumenzunahme die Darmtätigkeit
anregen. Außerdem kommt es zu einer Aufweichung von
hartem Stuhl. Flohsamen eigenen sich daher gut zur
Behandlung von Verstopfung (Obstipation) oder
unterstützend bei Krankheiten, bei denen ein weicher
Stuhl erwünscht ist, wie z.B. Hämorrhoiden, Analfissuren
oder nach Operationen. Da bei richtiger Anwendung
praktisch keine unerwünschten Wirkungen zu befürchten
sind, sind Flohsamen das Abführmittel der Wahl während
Schwangerschaft und Stillzeit. Die abführende Wirkung
beginnt etwa 12 bis 24 Stunden nach Einnahme, der
maximale Effekt tritt erst nach einer Behandlung über 2
bis 3 Tagen auf.
Bei Durchfallerkrankungen bindet Psyllium Wasser und
sorgt somit für eine Abnahme wässriger Stühle. Diese
regulierende Wirkung kann bei Reizdarmsyndrom und
entzündlichen Darmerkrankungen stabilisierend wirken.
Ballaststoffe sind zudem Bestandteil einer gesunden
Ernährung. Die Einnahme von Flohsamen über längere Zeit
wirkt cholesterolsenkend.
Worauf ist unbedingt zu
achten?
Stuhlunregelmäßigkeiten über längere Zeit bedürfen immer
einer ärztlichen Abklärung. Ferner dürfen Flohsamen
wegen der quellenden Wirkung nicht eingenommen werden
bei drohendem oder bestehenden Darmverschluss,
Verengungen im Magen-Darm-Trakt oder der Speiseröhre.
Wichtig ist auch die ausreichende Zufuhr von
Flüssigkeit, die Samen sollten zunächst vorgequollen und
mit reichlich Wasser eingenommen werden. Bei Einnahme
des trockenen Präparats, im Liegen oder vor dem
Schlafengehen ist zu befürchten, dass die Quellung
bereits in der Speiseröhre beginnt. Dies kann zu
Schmerzen im Brustbereich und sogar zu
Erstickungsanfällen führen. Bei Auftreten solcher
Beschwerden muss unverzüglich ein Arzt aufgesucht
werden.
Flohsamen können die Wirkung anderer Arzneimittel, aber
auch gleichzeitig eingenommener Vitamine und
Mineralstoffe beeinträchtigen. Es empfiehlt sich, die
Medikamente etwa 1 Stunde vor den Flohsamen einzunehmen.
Müssen Arzneimittel eingenommen werden, bei denen es
wichtig ist, dass ein bestimmter Blutspiegel erreicht
wird, wie z.B. Antiepileptika, sollte der Arzt die
Therapie engmaschig überwachen. Dies gilt auch für
insulinpflichtige Diabetiker, da Flohsamen den
Insulinbedarf verringern können.
Patienten, die an entzündlichen Darmerkrankungen leiden,
dürfen Flohsamen oder entsprechende Arzneimittel nur
während der Remissionsphase verwenden.
Kinder unter 12 Jahren sollen Flohsamen oder
entsprechende Präparate nur auf ärztlichen Rat hin
einnehmen. |